Provinz Lucca - Toskana - Italien

 

Geschichte von Puntato

Schon die Pfadfinder aus Massa am Anfang des 20. Jahrhunderts liebten die Berge und ihre Almlandschaft von Puntato. Dieser Liebe ist es zu verdanken, dass die gastliche Hütte "Rifugio Il Robbio" heute am Ort eines ehemals verfallenen Almbauernhauses steht. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Ohne das traurige und schändliche Kapitel der deutschen Besatzung in Italien 1943-1945 und das ungesetzliche Handeln eines Almbewohners in den 1980er Jahren wäre es wohl nie dazu gekommen, dass Mauro Tavoni und Giovannella Locatelli 1987 einen Verein gegründet und ein Haus in Puntato gekauft hätten.

Um den Weg von den Masseser Pfadfindern zu Il Robbio, dieser Mischung aus Familienpension, Biobauernhof und Gebirgshütte zu verstehen, braucht es Geduld und Phantasie. Beides sind Eigenschaften, die ein Aufenthalt in Puntato dem Besucher rasch liefert, wirkt es doch so, als sei hier die Zeit stehen geblieben und gehe das Leben einen ruhigeren Gang. Versetzen wir uns in Gedanken also in eine Wiesenlandschaft, inmitten weitläufiger Kastanien- und Buchenwälder, die von kleinen Steinhäusern farblich akzentiert wird. Fünf dieser Häuser werden inzwischen vom Verein "Il Sentiero" bewirtschaftet oder gehören ihm. Wie es dazu kam? Diese Geschichte beginnt bei der Blütezeit der Alm und führt über ihren Niedergang zu einer Gruppe Pfadfinder...

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1640 - 1920er Jahre
Leben und Wirtschaften auf der Alm

Puntato ist eine von vier Sommeralmen der Dörfchen Terrinca und Levigliani in der benachbarten Versilia (Region auf der Meeresseite der Apuanischen Alpen). Jeden Sommer wurde es von so vielen Dorfbewohnern für die Almwirtschaft aufgesucht, dass echtes Dorfleben aufkam. Im Jahr 1938 beispielsweise, also die besten Jahre Puntatos bereits vorbei waren, lebten im Sommer 170 Personen in Puntato.

Der Bürgermeister von Terrinca hatte Puntato bereits im Jahr 1561 von Großherzog Cosimo von Lucca zur wirtschaftlichen Nutzung angemietet und verpachtete das Gelände an seine Bauern weiter. Diese begannen sogleich, Terrassen in den Wiesen und im Wald anzulegen, damit die Saat auf dem Feld und die Kastanien in den Wäldern nicht der Erosion zum Opfer fiel. Zu keinem Zeitpunkt waren die Terrassen mit Steinmauern befestigt gewesen - die Grasnarbe allein hielt sie fest und sorgte nebenher für zusätzliche Flächen zur Heugewinnung.

Seit 1640 ist die Sommerbewirtschaftung in Pachtverträgen zwischen Bauern und der Gemeinde Terrinca nachgewiesen. Die Bauern lebten in Puntato vom Gemüseanbau, von der Viehaltung, vom Kastanienanbau und der Köhlerei aus Buchen-, Kastanien- und Eichenholz. Die meisten Familien nahmen im Mai mit Kleidung, Hausrat und Lebensmitteln bepackt und den Tieren im Schlepptau den dreistündigen Weg von Terrinca über den Passo Croce und Passo Fociomobili auf die Wiesen Puntatos auf sich. Sie blieben bis Ende September auf der Alm, wenn die sommerlich warmen Tage sich dem Ende näherten. Wer Kastanien ernten musste, blieb bis Oktober und beneidete jene, die bereits ins Tal absteigen durften. Selbst im frostigen November harrten noch Bewohner aus - hier wurde Buchenlaub als Viehstreu für das Folgejahr gesammelt, bevor endgültig der Winter in Puntato einkehrte. 1666 wurde mit dem Bau des zentral im Almgebiet gelegenes Kirchleins der Heiligsten Dreifaltigkeit (SS. Trinità) begonnen (Fertigstellung spätestens 1680).

Die beste Zeit der Almwirtschaft von Puntato und anderswo endete bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, seit Marmorblöcke im große Umfang und Anfangs in Handarbeit gebrochen wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts blieben weitere Bauernfamilien zurück, wenn das Dorf im Frühjahr auf die Sommeralm zog. Erste Almhütten verfielen, die Verheißungen einer mit mehr Wohlstand lockenden Arbeit in den Industriebetrieben des Gebirgsvorlands liess zahlreiche Familien abwandern.

1920er Jahre - 2. Weltkrieg
Jugendliebe für die Natur und der Beginn eines traurigen Verfalls

Während vereinzelte Bauernfamilien ins Flachland abwanderten, zog ein Mann in die entgegengesetzte Richtung: Der junge Masseser Architekt Alberto Bondielli und späterer Kirchenkantor, Partisan und erster Provinzpräsident von Massa-Carrara nach dem 2. Weltkrieg begeisterte sich für die Natur und die Berge. Noch mehr begeisterte er sich aber für die pädagogischen Ideen der Pfadfinder, so dass er in den 1920er Jahren gemeinsam mit seiner Gruppe ein Jugendheim in der Gemarkung "Le Fredde" errichtete und es "La Quiete" (Die Stille) nannte.

Im 2. Weltkrieg lag Puntato inmitten der "Gotenlinie" genannten Verteidigungsstellung, die die Nazis nach der Kapitulation Italiens im September 1943 aufgebaut hatten. Die Gotenlinie machte sich die vom Apennin gebildete natürliche Barriere zwischen Nord- und Mittelitalien zunutze und sollte den erwarteten Vormarsch der Alliierten auf Deutschland aufhalten. Der zivile und paramilitärische Widerstand der Bewohner aus den Bergdörfern gegen die deutschen Besatzer war groß, was sich in zahlreichen dokumentierten Kriegsverbrechen gegen Partisanen und ganze Gruppen von Dorfbewohnern auswirkte.

Puntato selbst war zwischen November 1944 und dem deutschen Rückzug im April 1945 Teil der Front. Dies legte den Grundstein für den späteren Verfall der Almhäuser: Die deutschen Besatzer, unterstützt von italienischen Faschisten der RSI, plünderten Almhäuser, wenn sie den Verdacht hegten, die Bewohner könnten mit den in den Bergen zahlreichen Partisanen kollaborieren. Sie zerstörten Häuser von Familien, die sich während des Winters 1944/45 entgegen der Anordnung aus dem Frontgebiet ins Heimatdorf Terrinca flüchteten. Das Verhältnis zwischen Faschisten und Nichtfaschisten war von Repression gekennzeichnet.

1950er Jahre - 1987
Niedergang der Berglandwirtschaft und ein Hauch von Idealismus

Nach dem Krieg kehrten viele Almbauern nicht mehr zur Almbewirtschaftung zurück. Wer konnte, suchte sich im Flachland Arbeit. Der technische und politische Fortschritt ein Übriges zum Verfall der Streusiedlung bei: Puntato war und ist bis heute nicht mit motorisierten Fahrzeugen zu erreichen, was den Aufwand zum Erreichen der Wiesen für die Bauern im Vergleich zu anderen Lagen zu groß werden ließ. Gastarbeiterabkommen mit anderen Ländern ermöglichten es den Männern ärmlicher Familien zudem, im Ausland in der Industrie das berufliche Glück zu suchen - noch heute befindet sich zahlreiche Gebäude in Puntato im Besitz von Personen mit Adressen in Deutschland oder Südamerika.

Das von den Pfadfindern errichtete Jugendheim "La Quiete" war direkt nach dem 2. Weltkrieg von Alberto Bondielli in den Besitz der Masseser Kurie übergegangen, die es an Carlo Tavoni, den Onkel des heutigen Hüttenwirts Mauro Tavoni verpachtete. Es war vom Niedergang des Almdörfchens nicht betroffen, sondern wurde von Gruppen der Azione Cattolica und anderen kirchlichen Gruppen aus Erwachsenen und Jugendlichen häufig genutzt.

Im Zuge der italienischen "Contestazione" nach 1968 dienten die Hütten als Rückzugsgebiete für paramilitärisch organisierte faschistische Gruppen, die sich in Massa regelmäßig Auseinandersetzungen mit kommunistischen Gruppen lieferten. Landwirte nutzten die Alm fast gar nicht mehr. Der Verfall der Häuser schritt zügig voran, Vandalismus und die rauhen Bergwinter arbeiteten hier Hand in Hand. Der Raub und die Zerstörung der Inneneinrichtung des Kirchleins nach 1973 ist ebenso nachgewiesen wie dessen anschließende Nutzung als Schafstall. Die Gemüsegärten überwucherten, so dass heute nur noch die gelegentlich häusernah stehenden Obstbäume und häufiger Nussbäume an den bäuerlichen Fruchtanbau erinnern.

Carlo Tavoni konnte die Bewirtschaftung von La Quiete zwischen 1965 und 1970 nicht mehr aufrecht erhalten, so dass Fenster und Türen zu Bruch gingen und auch La Quiete zu verfallen drohte. Trotz der Instandsetzung Anfang der 1970er Jahre konnte La Quiete an die Blütezeit der 1950er und 1960er Jahre nicht mehr anknüpfen. Die Komfortwünsche der Gäste von kirchlichen Freizeiten waren gestiegen und La Quiete wurde von einer stark frequentierten Unterkunft zu einem Treffpunkt für die naturliebenden unter den kirchlichen Jugendlichen. Zu ihnen gehörte auch der Neffe Mauro Tavoni, der in der Hütte seines Onkels seine große Liebe zur Almlandschaft von Puntato entdeckte.

Der technische Fortschritt rückte näher an Puntato heran: Von Terrinca her wurde Anfang der 1970er Jahre eine Serpentinenstraße 800 Höhenmeter hinauf auf den Fociombolipaß in Berg und Fels geschlagen, um die seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Marmorsteinbrüche beidseits des Monte Corchia mit LKW erreichen zu können. Von Isola Santa her näherte sich eine weitere Marmorstraße dem weiter unten gelegenen Steinbruch am Monte Freddone. Puntatos Herz jedoch, seine Wiesen, blieben unerschlossen.

Ab 1980 machten Mauro Tavoni und seine Freunde eine neben "La Quiete" liegende, verfallene Hütte der Bauernfamilie Ottavio an Wochenenden und Stück für Stück bewohnbar. Wer herkam, spendete für jede Übernachtung 1.000 Lire (0,55 Cent) für die Rekonstruktion der Ruine - einige der damaligen "1.000-Lire-Freunde" gehen noch heute in der Hütte ein und aus. Mitte der 1980er Jahre wurde die Gruppe auf das Haus "Il Robbio" der Familie Baldini am anderen Bachufer aufmerksam. Da es abseits der großen Wiesen der Alm und zudem sonnenreich auf einer Lichtung am Südhang lag, wählten sie es sich zu ihrem neuen Treffpunkt. Die Casa Ottavio nutzen sie noch eine zeitlang weiter, bis sie 1999 einen neuen Eigentümer fand. Il Robbio ist heute das Herz der gastlichen Hütten in Puntato.

Im Rifugio "La Quiete", von dem aus Tavoni die Alm einst kennengelernt hatte, gingen indessen Jugendliche und Studenten der nächsten Generation ein und aus. Die "weißen" Jugendlichen der kirchlichen "Azione Cattolica" (AC) pflegten eine heftige Rivalität zu den "roten" jungen Menschen aus der Casa Ottavio.

Im Jahr 1985 erkannte die Region Toskana den besonderen Wert des Naturerbes der Apuanischen Alpen und gründete den "Naturpark Apuanische Alpen".

Zwei Jahre später begann für Mauro Tavoni schlagartig eine neue Zeit. Ein Hauseigentümer Puntatos begann, den alten Maultierpfad vom Fociombolipaß hinab in die Wiesen der Alm zu einer geschotterten Autostraße auszubauen. Eine Genehmigung, so war zu erfahren, hatte er nicht. Was aus Sicht des Bauherrn das Startsignal für die Moderne Puntatos werden sollte, war für den Studenten Tavoni und seine Freunde das Startsignal für eine andere Zukunft, mit der der Straßenbauer mit Sicherheit nicht gerechnet hätte.

1987 - 2008
Von einer verrückten Idee zu einem Modell für ökologischen Tourismus

Mauro Tavoni und rund 30 seiner Naturfreunde von "Il Robbio" sahen ihren Jugendtraum einer unberührten Wiesen- und Almlandschaft bedroht. Angesichts einer solchen Bedrohung rückten sogar die rivalisierenden Jugendlichen aus La Quiete und Casa Ottavio eng zusammen. Gemeinsam gründeten sie im Dezember 1987 den Verein "Il Sentiero" (Der Weg), dessen Ziel der Erhalt von Puntato als Almlandschaft sein sollte. Puntato mit seinen Häusern sollte keine Straße erhalten. Es sollte vielmehr als Gegengewicht zum Lärm und der Geschwindigkeit der Stadt eine Insel der Naturbezogenheit und Ruhe bleiben. Der Verein stellte sich in seiner Satzung die Aufgabe, Wanderungen zu organisieren, Wanderwege im eigenen Aktionsbereich zu pflegen und die Bevölkerung für die Belange der Umwelt und der Natur zu sensibilisieren. Als übergeordnetes Ziel nahm der Verein sich wörtlich vor, "den Schutz der Umwelt vor natürlichen oder künstlichen Aktivitäten anzustreben, die geeignet sind, die natürliche Ordnung der Umwelt zu beeinträchtigen sowie die beeinträchtigten Bereiche in den vor der Beeinträchtigung gegebenen Zustand wiederherzurichten." (Satzung, Artikel 3c). Ausdrücklich erlaubt die Satzung es, der Verein dürfe Grundstücke, Immobilien, Anlagen und Maschinen kaufen, die der Erreichung der Vereinsziele dienen.

Der erste Vereinspräsident wurde von den Studenten der Casa Ottavio gestellt. In den 1990er Jahren stellte die Azione Cattolica mit Mario Ciampi einen Präsidenten. 1999 wurde Hüttenwirt Mauro Tavoni nach Ciampis tragischem Unfalltod selbst Präsident des Vereins "Il Sentiero".

Der Verein ging rechtlich gegen den Straßenbau vor, sammelte Unterschriften und konnte die Erschließung des Gebiets rasch stoppen. Im gleichen Jahr zog Mauro Tavoni in "Il Robbio" ein und eröffnete das die Hütte als Übernachtungsstelle für die Öffentlichkeit. Er ist seitdem der einzige ganzjährige Bewohner in Puntato.

Der selbstlose Einsatz gegen die Erschließungsstraße markierte den Beginn eines steinigen Wegs für den Verein. Zahlreiche Gebäudeeigner in Puntato hatten mit dem Straßenbau hinab zu den ärmlichen Häusern große Hoffnungen verbunden, die Häuser verkaufen oder selbst nutzen zu können. Tavoni hatte in der Folgezeit mit persönlichen Diskriminierungen und Beschädigungen an seinem Eigentum zu leben. Den Verein konnte das allerdings nicht mehr von seinem Ziel abbringen. Energisch und mit einfachsten Mitteln wurde der Ausbau von "Il Robbio" als Wohnhaus vorangetrieben.

Bis Ende der 1980er Jahre gab es keinen einzigen der Lastenlifte, die heute die Hütte erschließen. Hüttenwirt Mauro Tavoni erinnert sich deshalb noch heute an die Menschenkette von der Hauptstraße nahe Isola Santa, die in den ersten Jahren der Bauzeit von Casa Ottavia und Rifugio Il Robbio insgesamt 600 Zementsäcke über 300 Höhenmeter zur Hütte hinaufschaffte. Doch nicht nur Zement, auch Dachlatten, stählerne Türstöcke, Türen, Rohrleitungen, Werkzeug und vieles mehr wurden auf diesem Wege mit Menschenkraft in die Einsamkeit der Wiesen von Puntato hinaufgetragen. Der Lastenlift vom Fociombolipaß zum zentral gelegenen Kirchlein entstand erst im Zuge der Renovierung der Kapelle in Anfang der 1990er Jahre. Auch die beiden Lastenlifte, die die Belieferung von Il Robbio heute erleichtern, entstanden erst später.

1992 setzte Mauro Tavoni die vom Onkel begonnene Tradition fort und pachtete die Jugendhütte "La Quiete".

Ende der 1990er Jahre professionalisierte sich der Hüttenbetrieb zusehends: 1998 installierte der Verein eine von der EU kofinanzierte Solaranlage auf dem Dach des 1993/94 angebauten Speiseraums, der seitdem Strom für Licht und Elektrogeräte liefert. 1999 erwarb Tavoni die Hütte Il Robbio durch Kauf. 2001 mietete der Verein als drittes Gebäude das neben dem Rifugio La Quiete gelegene Selbstversorgerhaus "Baita Ciampi" und 2007 die kleine "Baita Ausilio " nahe dem Kirchlein. Die vier Gebäude verfügen gemeinsam über 42 Betten. Die 2005 erworbene Baita Bazzichi wird noch restauriert.

Während Il Robbio die Bettenanzahl erhöhte und die Ausstattung seines Beherbergungsangebots optimierte, forcierte er auch seine Entwicklung zum Biobauernhof: Bereits im Januar 2000 verlieh der Naturpark Apuanische Alpen der Hütte den Status einer "Azienda Agricola Biologica", eines biolandwirtschaftlichen Betriebs. Der Verein "Il Sentiero" legte einen Obstgarten an, der zahlreiche auch historische Sorten der Garfagnana kultiviert. Er übernahm im Auftrag des Naturparks die Patenschaft eine Herde Rinder der Trentiner Rasse "Rendena". Obwohl bis zu deren Tod im Jahr 2001 im Privatbesitz einer Bäuerin aus dem Nachbardorf Isola Santa, lebten diese seit Anfang der 1960er Jahre wild auf den Wiesen Puntatos. Zu ihrer besten Zeit Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre, so ist nachzulesen, stellten die wilden Kühe auf den Wiesen Puntatos ein beliebtes Postkartenmotiv dar. Im Juli 2008 musste der letzte Stier eingeschläfert werden, so dass nun nur noch zwei "Damen" wild auf den Wiesen Puntatos weiden.

Im Almdorf Puntato, in dem Il Robbio inzwischen das vitalste Haus darstellt, bewegt sich indessen nur wenig. Mit dem Fernbleiben des letzten der zuletzt zwei Schäfer ist Mauro Tavoni von "Il Robbio" seit 2008 der einzige landwirtschaftliche Nutzer der Alm. Zwar beobachtet der Verein ein steigendes Interesse der ehemaligen Besitzer und ihrer Erben an der Wochenendhausnutzung der alten Hütten und Häuser. Von einer Renaissance der Alm zu sprechen, wäre allerdings deutlich verfrüht.

Photovoltaikzellen auf dem Dach sorgen seit 1998 für Elektrizität und eine Solarthermieanlage für warmes Wasser.

Il Robbio heute:
Pflanzen kennenlernen, Ökotechnik studieren, Urlaub machen

Fast 13.000 Personen wurden bis zum Jahr 2008 Mitglied des Vereins "Il Sentiero". Rund 2.000 Besucher kehren hauptsächlich zwischen April und September kehren in der Hütte ein oder übernachten in den urigen Schlafräumen mit seinen Doppelstockbetten. Der Naturpark Apuanische Alpen betrachtet den Verein als wichtigen Garant zum Erhalt der Berglandwirtschaft in Puntato.

Mauro Tavoni, Freunde und sein Verein besitzen inzwischen in Puntato die Hütten "Il Robbio" und "Ausilio" mit 13 ha Land und sind Pächter der Hütten "La Quiete", "Ciampi" und "Bazzichi". Wohlwissend, dass dies nicht die Rettung der rund 75 ha Almwiesen bedeutet, möchte er damit dennoch ein Zeichen für den Erhalt und gegen die Überlassung der Alm an potenzielle Großinvestoren setzen. Dass Puntato ein verletzliches Paradies ist, daran hegt Mauro Tavoni keinen Zweifel. Deshalb soll die Strategie des behutsamen Ausbaus von Hütten und des weiteren Landerwerbs gemäß den Statuten des Vereins fortgesetzt werden.

Für den Weiterbestand der Almwirtschaft des Vereins sind regelmäßige Freizeiten und Camps von Schulklassen, Umweltorganisationen und Reiseveranstaltern ebenso wichtig wie die privaten Aufenthalte von Einzelpersonen oder Gruppen. Bei den Gästen springt der Funke spätestens dann über, wenn es das erste Mal "A tavola!" heißt und Mauro Tavoni seine deliziösen, auf dem Holzfeuer zubereiteten Menüs, serviert. Der persönlichen Atmosphäre und der individuellen Betreuung durch den Hüttenwirt kann sich spätestens bei den Mahlzeiten niemand mehr entziehen.

Il Sentiero lockt Familien und Gruppen mit vielfältigen Umweltbildungsangeboten nach Puntato. Das Kennenlernen der Pflanzen- und Tierwelt in den Apuanischen Alpen gehört ebenso dazu wie Wanderungen auf die Gipfel der Umgebung, Lagerfeuer oder nächtliche Himmelsbeobachtungen. Il Robbio kann als Biobauernhof mit seinen Bienen, Pferden, Maultieren, Kühen, Kaninchen und seinen Gärten Kenntnisse in ökologischer Landwirtschaft vermitteln. Photovoltaik, Solarthermie, Wasserkraft, Wärme aus Biomasse und die Wetterstation sind Studienobjekte für technik- und innovationsinteressierte Besucher.

Auf die Fragen nach großen Baueinsätzen oder großzügigen Erbschaften schüttelt Mauro Tavoni den Kopf - alle Instandhaltungs- und Ausbauarbeiten werden während des laufenden Betriebs gemacht, die Finanzierung erfolgt durch Übernachtungseinnahmen in den Hütten von Puntato und jenen aus dem großen Selbstversorgerhaus "Il Pradaccio" auf dem Appeninkamm bei S. Pellegrino in Alpe (seit 1990). Anderen zeitlich begrenzte Bewirtschaftungsprojekten wie z.B. 1993-1996 das Naturpark-Besucherzentrum in Forno und 1994-2002 der Stadtpark in Marina di Massa trägt ebenfalls seinen Teil zur Förderung der Vereinsideen bei. Es sind nicht die großen Sprünge, die Il Sentiero machen möchte, sondern die behutsame, am Ziel der ökologischen Landwirtschaft und des ökologischen Tourismus orientierte Entwicklung. Ganz wie der Verein sich das auch für die Entwicklung des Natur- und Kulturerbes selbst wünscht.

Quellennachweis

- Internetseite "Sant'Anna di Stazzema", www.santannadistazzema.org
- Internetseite "140 anni di Azione Cattolica", www.140annidiac.it (offline)
- Internetseite "Associazione Il Sentiero", www.il-sentiero.it
- Internetseite "Parco Alpi Apuane", www.parcapuane.it (Pressemitteilung 11.7.2008 "Salvate, per ora, le vacche del Puntato" und 16.7.2008 "L'ultimo toro del Puntato"
-Internetseite "Regione Toscana", www.regione.tocana.it (Ökoeffizienz-Siegel)
- Internetseite "Corpo Nazionale Giovani Esploratori Italiani di Massa" www.cngeimassa.com (offline)
- Internetseite Wikipedia "Gotenstellung" de.wikipedia.org/wiki/Gotenstellung
- Buch "Alpeggio di Puntato" von Marino Bazzichi et al. (2007);
- Diplomarbeit"Il Puntato, un alpeggio apuano, Indagini geobotaniche e diacroniche per un recupero agroambientale" von Stefano Bacci (2000, unveröffentlicht);
- Artikel "Il Puntato, una palestra di vita" (TOSCANA oggi, 28. Juli 2002)
- Interview: Mauro Tavoni (22.7.2008)
- Interview: Giovannella Locatelli (21.7.2008, 10.10.2008)

 

Kontakt (auf deutsch): Giovannella Locatelli +39 0585 45440 (Festnetz) - +39 339 871953 (Handy)
alle Hütten sind ganzjährig nach Reservierung geöffnet (wahlweise mit oder ohne Verpflegung)